PARENTHESE

06.09.2010

Erziehung

Die Erzieherinnen im Kindergarten unserer Wahl1 haben ein Problem: Die Eltern. Die meisten wissen nämlich gar nicht, wie sie ihre Kinder zu erziehen haben, und was sie ihnen beibringen sollten. Das müssen die Erzieherinnen tun.

Zum Beispiel gesundes Essen: Wie viele Kinder bringen Nutellabrote mit! Oder gar Süßigkeiten! Da bleibt einem ja die Milchschnitte im Halse stecken! Also wurde kurzerhand eine spielerische Erziehungsmaßnahme eingerichtet: Die Kinder haben in der vergangenen Woche gemeinsam Bilder von Lebensmitteln auf rote, gelbe und grüne Plakate geklebt. Danach wusste unsere Tochter sehr genau, was sie alles nicht mehr essen durfte. Und aß nichts mehr.

Zum Beispiel Zahlen: Wäre es nicht sinnvoll, dass Kinder im letzten Kindergartenjahr ein gewisses mathematisches Verständnis hätten? So bis zehn? Also lernen unsere Kinder nun, Zahlen zu schreiben – d. h. Ziffern. Vorige Woche fingen sie an, die „1“ zu schreiben, diese Woche ist die „2“ dran. Alle Ziffern werden fein säuberlich in Rechenkästchen geschrieben, immer und immer wieder. Dass die meisten Kinder damit motorisch total überfordert sind, dass man besser mit einfachen Schwungübungen angefangen hätte: geschenkt. Aber leider verbinden die Kinder auch nach einer Woche der kalligrafischen Höchstleistungen mit den erlernten Ziffern noch immer nicht wirklich die damit gemeinte Menge.

Zum Beispiel Verkehrserziehung: Nach den Vorstellungen der Erzieherinnen soll ein Verkehrsübungsplatz — genauer eine Bobbycar-Rennbahn – auf dem Kindergartengelände entstehen. Weil nur wenig Platz ist, kann nur eine „Einbahnstraße“ gebaut werden, diese soll entsprechend beschildert werden. Trotzdem soll es in dieser Straße einen Bürgersteig, einen Zebrastreifen und dergleichen mehr geben. Alles hübsch in die Grünanlage eingebettet. Ob diese Retorte tatsächlich etwas für ein sicheres Verhalten im Straßenverkehr bringen wird? Ich bezweifle es.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Schade ist, dass allen diesen gut gemeinten Maßnahmen Konzept und Sachverstand fehlt.2 So ist die der Einteilung rot/gelb/grün zugrundeliegende Theorie von gesunden und ungesunden Lebensmitteln alles andere als wissenschaftlich haltbar.3 Ein Mengenverständis als Grundlage eines Zahlen- und Mathematikverständnisses wird nicht geübt. Und dass die umliegenden Kindergärten ihre Bobbycar-Bahnen allesamt nicht wieder bauen würden, weil sie kaum genutzt werden, wird bei der Planung auch ignoriert.

Das Bild der Erzieherinnen aber, nach dem sie es besser wissen als die Eltern der ihnen anvertrauten Kinder, kann durch sachliche Kritik aus der Elternschaft leider nicht erschüttert werden. Entsprechende Einwände werden als „Nörgeln“ empfunden.

Im Ergebnis bleibt uns dann leider nichts anderes übrig, als unseren Kindern nachmittags die vormittägliche „Erziehung“ wieder abzuerziehen. Damit wir einer Eßstörung vorbeugen. Damit sie richtig Rechnen lernen. Damit sie nicht vom Trecker überfahren werden.


  1. In Rheinland-Pfalz werden die Kinder je nach Wohnort einem nahen Kindergarten zugeteilt. 

  2. Schön wäre es, wenn stattdessen elementare Grundfertigkeiten wie Schuhe binden, Uhr lesen, Fahrrad fahren, balancieren, Purzelbaum schlagen usw. geübt würden. Doch Fehlanzeige. 

  3. So zum Beispiel die DGE

Rubriken:  Bildung
04.09.2010

Sätze, für die ich die „Süddeutsche“ hasse

„Die Börsennotierung der Unternehmen will es so.“

Auf Seite 2 der heutigen Süddeutschen Zeitung schreibt Bernd Graff im Artikel „Es geht um alles“, Google, Apple, Facebook und Microsoft seien gleichsam gezwungen, sich auf allen denkbaren Anwendungsgebieten des Internets gegenseitig Konkurrenz zu sein. Diese Aussage ist schlicht aus der Luft gegriffen.

Die „Börsennotierung“ will es so? Die Börsennotierung an sich ist zunächst einmal keine Person, die irgend einen Willen äußern kann. Die Anleger an der Börse, die Anteilseigner: Wollen sie den beschriebenen Konkurrenzkampf? Wohl nicht unmittelbar. Ihnen dürfte es in erster Linie um ihre Anlagenrendite gehen, und erst im zweiten Schritt dürften sie sich für die dazu eingeschlagene Strategie im Detail interessieren. Die Strategie wird in erster Linie durch die Geschäftsführung der Unternehmen bestimmt.

Schade auch, dass die Aussage, „Die Börsennotierung […] will es so.“ mit keinem weiteren Satz begründet wird. Der Artikel geht so über eine Beschreibung der aktuellen Marktsituation nicht hinaus. Eine marktstrategische Analyse fehlt. Ist es wirklich notwendig, weil unternehmerisch zwingend, dass die aufgezählten Unternehmen in der beschriebenen Weise um Marktanteile gegeneinander kämpfen? Was ist mit weiteren Marktteilnehmern, RIM und Nokia, Sony, Dell, Asus, Acer, IBM, Amazon und Ebay, Twitter usw.?

Es bleibt leider der Eindruck, als diene der ganze Artikel nur der Verpackung dieses einen, emotionalen, kultur- und wirtschaftskritischen Satzes wider den Kapitalmarkt.

Rubriken:  Wirtschaft
21.07.2010

Deutschland 61 mal besser als erwartet

Hier noch ein kurzer Nachtrag zur WM:

Und ab jetzt gibt es hier nur noch echte Politik-Beiträge!

Vor Beginn der Fussball-Weltmeisterschaft hat ganz Deutschland geglaubt, unsere Mannschaft werde nicht einmal die Vorrunde überstehen. Nun sind sie dritter geworden. Aus 64 Teams. Damit sind sie rechnerisch eben 64 − 3 = 61 mal besser als erwartet.

Naja, nicht ganz. Schließlich sind nach der Vorrunde ja schon 64 − 16 = 48 Mannschaften ausgeschieden. Da hätten wir dazugehören sollen. Dass wir unter den letzten 16 Mannschaften waren, ist also der Bezugspunkt. Somit waren wir dann also 16 − 3 = 13 mal besser als gedacht.

Auch etwas.

Jetzt kommen eben andere

Familienministerin Kristina Schröder formuliert, was – wenn es klug eingefädelt wäre – eine Strategie der Kanzlerin sein könnte: Die „alte Riege“, Friedrich Merz, Roland Koch, Dieter Althaus, Ole von Beust usw. sind „weg“. Nun ist Platz für den Nachwuchs. Frau Schröder hat auch gleich ein paar parat: Ursula von der Leyen, Norbert Röttgen und Thomas de Maizière, Niedersachsens Ministerpräsidenten David McAllister und die Spitzenkandidatin für Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner.1

Das wäre alles in allem eine passable Mannschaft. Und der notwendige Generationenwechsel in der CDU wäre damit ebenfalls so abrupt und unverhofft vollzogen wie in der deutschen Fussballnationalmannschaft. Wie gesagt, wenn eine Strategie dahinter wäre.


  1. Siehe dazu Süddeutsche Zeitung von heute

Rubriken:  Politik

Von der Schwierigkeit, zwei Reifen und einen Schlauch zu wechseln

Man mag nicht glauben, wie viele Pannen es geben kann, wenn man die ortsansässige Auto-Werkstatt mit einer Reparatur beauftragt. Der Motor unseres Familienautos hatte keine Leistung mehr. Die Diagnose, der Austausch eines Ladeluftkühlers und die nochmalige Nachbesserung („ein Schlauch war locker“) hat 10 Tage gedauert.

Als ich den Wagen am Montag zur Reparatur abgab, hieß es – wie üblich – „wenn was ist, melden wir uns“. Die Werkstatt wusste, dass wir am Donnerstag mit dem Familienauto in den Familienurlaub fahren wollten. Also gut. Der Austausch des Ladeluftkühlers war auch tatsächlich bis Mittwoch nachmittag erledigt.

Das eigentlich interessante aber waren die Reifen. Zum vereinbarten Abholtermin hieß es, die Reifen hinten müssten dringend erneuert werden, man könne damit unmöglich auf der Autobahn fahren, zumal noch bei der gegenwärtigen Hitze. Die Reifen müssten aber bestellt werden und seien frühestens am Freitag zu erwarten. Auf die Frage, warum man dies nicht am Montag entdeckt habe, gab es keine Antwort. Wie wir denn in den Urlaub fahren sollten, fragte ich weiter. „Sie können einen Smart als Leihwagen haben“, war die wenig hilfreiche Antwort.

Wir entschlossen uns also, die Reifen zu bestellen und den Kurzurlaub mit dem kleinen Zweitwagen anzutreten. Früher hatten die Familien ja auch bestenfalls einen VW Käfer, und da ging es auch. (Es ging auch.)

Wieder zurück, inzwischen wieder Montag. Ich konnte das Familienauto abholen, aber, oh Schreck, die neuen Reifen waren an der falschen Achse anmontiert! Außerdem kam der Motor immer noch nicht auf Touren – wie gesagt, „ein Schlauch war locker“. All dies bemerkte ich aber erst am folgenden Tag, so dass es Mittwoch wurde, bis ich zurück zur Werkstatt fahren und diese den Fehler korrigieren konnte.

Was lernen wir daraus? Da die Werkstatt weit und breit die einzige zu unserem Auto „passende“ Fachwerkstatt ist, haben wir keine Alternative, als diese das nächste Mal wieder aufzusuchen. Wir werden viel Zeit einplanen.